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FemBio - Die weltweit größte Datenbank mit Biografien bedeutender Frauen

FemBio, die weltweit größte Datenbank mit Frauenbiografien umfasst Informationen zu derzeit 7635 Frauenpersönlichkeiten aus Gegenwart und Geschichte, weiters sind mehr als 30.000 Frauenleben aller Länder und Epochen offline in der FemBio-Datenbank dokumentiert. In Zusammenarbeit mit Tanna - Eigenmächtige Frauen entstand das FemBio Special "Frauen der Grenze", das das Leben und Werk von Frauen aus Nord- und Südtirol sowie dem Trentino würdigt. Den Projektleiterinnen Heidi Hintner und Donatella Trevisan geht es darum, das Leben und Wirken von Frauen aus einem feministischen Blickwinkel sichtbar zu machen und ihr Wissen und ihre Erfahrungen an Mädchen und Frauen weiterzugeben.

Wussten Sie, dass Anfang des 20. Jh. eine 2,27 m große Bauerstochter aus Ridnaun als vermutlich größte Frau ihrer Zeit galt und "Karriere" als Schaustellerin und Publikumsattraktion in Städten wie Wien, Berlin, Hamburg, London oder Manchester machte? Dass die 1907 in Bozen geborene Alpinistin und Skirennläuferin Paula Wiesinger den belgischen König Albert auf seinen Bergtouren begleitete? Dass die Brixnerin Maria Hueber um 1700 einen Orden gründete und eine Pionierin der Mädchen- und Frauenbildung in Tirol war? Oder dass die Landtagsabgeordnete Waltraud Gebert-Deeg sich nach langen abendlichen Sitzungen an den Küchentisch setze, ihre Tochter auf den Schoß nahm und ihr von den Tagesereignissen berichtete? Diese und andere Details aus dem Leben bedeutender Südtiroler Frauen sind im FemBio-Special "Frauen der Grenze. Donne di frontiera" nachzulesen, das derzeit 25 Frauenporträts aus dem historischen Raum Tirols - also aus Nord- und Südtirol sowie dem Trentino - enthält.

Das Projekt wird von den beiden Südtirolerinnen Heidi Hintner und Donatella Trevisan geleitet. Frauen, so Hintner und Trevisan, spielen auf der Bühne der großen Geschichte wie auch in vielen Alltagsgeschichten und vor allem auf lokaler Ebene eine hervorragende und prägende Rolle. Dieser Tatsache möchte das FemBio Special "Frauen der Grenze. Donne di frontiera" Rechnung tragen. Die journalistischen Texte machen Geschichte/n von Frauen sichtbar, zeigen ihre Leistungen, ihre Lebensumstände, ihre Erfolge, Karrieren und Karrierebarrieren in einer männlich dominierten Umwelt. Verfügbar sind die Texte in vier Sprachen: auf Deutsch, Italienisch und Ladinisch unter www.tanna.net.tf sowie auf Deutsch, Italienisch und Englisch im FemBio-Portal.

Das FemBio-Special "Frauen der Grenze. Donne di Frontiera" knüpft damit an die FemBio-Datenbank von Luise F. Pusch an. 2001 gründete die Sprachwissenschaftlerin, Publizistin und Frauenforscherin Pusch in Hannover das Institut für Frauenbiografieforschung, das sich zum Ziel setzte, eine umfassende Datenbank über das Leben bedeutender Frauen zu erstellen und diese auch online WissenschaftlerInnen, ForscherInnen, JournalistInnen und interessierten Frauen und Männern zur Verfügung zu stellen. Die kostenlose Datenbank verzeichnet derzeit 6000 BesucherInnen pro Tag und ist ein Folgeprodukt des Suhrkamp-Taschenkalenders "Berühmte Frauen", mit dem Luise Pusch seit 1988 mehr als 10.000 Frauen einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt hat.

Für FemBio-Gründerin Luise Pusch war es wichtig, auch solche Fakten von Frauenleben sichtbar zu machen, die in anderen Quellen meist nicht vorkommen. "Ein gewöhnliches Lexikon informiert nicht darüber, wie diese Frauen wirklich gelebt haben", so Pusch. So unterscheide sich eine FemBiografie von herkömmlichen Biografien vor allem durch den feministischen Blickwinkel und durch die Tatsache, dass sie zu hundert Prozent von Frauen geschrieben und sehr gut recherchiert werde.

Pusch begann mit ihren Recherchen 1982, als sich Frauen darüber beschwerten, dass es Jubiläumsjahre und Gedenktage vorwiegend für berühmte Männer gab, kaum oder nie jedoch für berühmte Frauen. Und so machte sich die Sprachwissenschaftlerin auf die Suche, begann Biografien zu studieren und sämtliche Lexika zu inspizieren: Dabei fand sie neben 100.000 Männern etwa 2.000 Frauen, die jedoch nirgendwo öffentlich präsentiert wurden. Somit war der Startschuss für das Frauenbiografieprojekt gefallen: Pusch sammelte Fakten und Daten aus dem Leben von Frauen und legte sie in einer Datenbank an, anfangs gab sie sie zum Großteil noch selbst ein. Heute kann FemBio, das seit 2004 ein gemeinnütziger Verein ist, auf mehrere Autorinnen und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen zurückgreifen.

Neben ausführlich recherchierten Biografien finden sich auf der Website von FemBio auch viele Kurzlebensläufe, eine Rubrik zum Thema "Frauen der Woche", Frauengedenktage für jeden Tag, FemBio-Specials, der Weblog und aktuelle Glossen von Luise Pusch, Buch- und Hörbuchempfehlungen, Tipps zu Webseiten, Musik, Filmen und Fernsehsendungen.

Das FemBio-Special "Frauen der Grenze. Donne di frontiera" archiviert derzeit Biografien von 25 Frauen aus Nord- und Südtirol sowie dem Trentino: Elisabeth Bergner, Johanna Blum, Claudia de' Medici, Maria Ducia, Kaiserin Elisabeth von Österreich, Andreina Emeri, Maria Fassnauer, Waltraud Gebert-Deeg, Lilli Gruber, Elsa Giacomelli Habicher, Monika Hauser, Emma Hellenstainer, May Hofer, Maria Hueber, Erika Giovanna Klien, Chiara Lubich, Margarete von Tirol, Maria von Mörl, Angela Nikoletti, Evelyn Ortner, Anita Pichler, Käthe Schirmacher, Anna Stainer-Knittel, Helene Wastl und Paula Wiesinger. Die zum Teil mit Fotografien, weiterführenden Links, Buchempfehlungen und Zitaten ergänzten Biografien geben Einblick in das Leben von Frauen nördlich und südlich des Brenners, die durch ihre Träume und Visionen, ihr Engagement und ihre Leidenschaft Außergewöhnliches geleistet haben und immer noch leisten.

So erinnert sich etwa Micki Gruber in ihrem FemBio-Beitrag über ihre Schwester, die in Bozen geborene Journalistin, Autorin und ehemalige Europaabgeordnete Lilli Gruber, an eines ihrer vor einigen Jahren geführten Gespräche, in dem sie Lilli nach ihrem großen Traum für die Zukunft befragte. Diese schaute von einem Gruppenfoto eines europäischen Gipfeltreffens, auf dem Frauen praktisch fehlten, auf und meinte: "Solange die vielen weiblichen Kompetenzen so wenig zählen, werde ich nie aufhören dafür einzustehen. Es ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, es ist politisch einfach töricht, Frauen weiterhin aus den Schaltzentralen der Macht auszuschließen. Und eines ist klar: ich werde nicht nur davon träumen, sondern ich werde dafür kämpfen."

Im Jahr 2009 erschien im Studienverlag das Buch "Frauen der Grenze. Donne di Frontiera", das von Heidi Hintner, Donatella Trevisan und Luise Pusch im Rahmen des Frauenbiografieporojekts herausgegeben wurde. Es dokumentiert 13 der 25 Biografien und liefert umfangreiches Bildmaterial.

Das Projekt befindet sich im Aufbau und wird stetig ergänzt und erweitert. Die Projektleiterinnen freuen sich über Anregungen zu weiteren FemBiografien und über Förderungen. Schließlich gilt es, noch so einige ungewöhnliche und außergewöhnliche (Südtiroler) Frauenleben einer breiteren LeserInnenschaft bekannt zu machen!



Frauenbiografien, Datenbank, Gedenktage und Specials unter www.fembio.org.

Mehr über das FemBio-Special "Frauen der Grenze. Donne di frontiera" erfahren Sie unter www.fembio.org.

Wer Kontakt zu Heidi Hintner und Donatella Trevisan aufnehmen möchte, wendet sich an die Tanna-Frauen unter www.tanna.net.tf bzw. an die E-Mail-Adresse: emilia.tanna@gmx.net.

Details zum Buch "Frauen der Grenzen. Donne di frontiera" gibt's unter www.studienverlag.at.

Und Wissenswertes, Interessantes und Unterhaltsames von und über Luise F. Pusch findet sich unter www.luisepusch.de.



 


Petra Tappeiner