Bozen bekommt einen Anita-Pichler-Platz
Bei der letzten Sitzung der Kommission zur Benennung von Straßen und Plätzen der Stadtgemeinde Bozen wurde entschieden, einen Platz im neuen Stadtviertel Casanova nach der Schriftstellerin Anita Pichler zu benennen. Man werde, so Stadtrat Primo Schönsberg, die Stadt über Leben und Werk von Anita Pichler informieren.

Am 6. April 1997 ist Anita Pichler 49-jährig in Bozen gestorben. Sie war die erste Südtiroler Schriftstellerin der Nachkriegszeit, die über die Grenzen des Landes hinaus bekannt wurde. 1986 hatte sie am Ingeborg Bachmann Wettbewerb in Klagenfurt teilgenommen, im gleichen Jahr erschien ihre erste Erzählung "Die Zaunreiterin" bei Suhrkamp (mit dem ursprünglichen Titel "Haga Zussa" 2004 im Folio-Verlag neu erschienen). Anita Pichler hat mit dieser Erzählung sowohl formal als auch von der Rezeption her für eine Zäsur in der Südtiroler Literatur gesorgt
Nach einer Kindheit zwischen Schenna, Meran und Sulden und dem Studium in Venedig und Prag lebte Anita Pichler zwischen Berlin, Venedig, Wien, Bozen und ihrer Bergheimat Sulden. Nach Erscheinen ihrer ersten Erzählung gab sie ihren "Brotberuf" als Lektorin an der Universität Venedig auf und lebte für das Schreiben und - so gut es ging - vom Schreiben.
1989 erschien die Erzählung "Wie die Monate das Jahr" bei Suhrkamp, 1992 "Die Frauen aus Fanis", 1995 "Beider Augen Blick. Neun Variationen über das Sehen" (beide Haymon Verlag, Innsbruck). 1995 verlegte sie krankheitsbedingt ihren Lebensmittelpunkt nach Bozen. Die letzte Lesung fand im September 1996 im Stift Stams statt: Die Schriftstellerin las aus "Das Herz", die Musik stammte von Haymo Wisser.
(PM der Stadtgemeinde Bozen: www.gemeinde.bozen.it)